COVID-19: Fall Markus Rogan

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Ex-Schwimmstar Markus Rogan und, mittlerweile ehemaliger, Mentalcoach der israelischen Fußball-Nationalmannschaft, flog laut aktuellen Medienberichten vor einer Woche jeweils mit Linienmaschinen von Tel Aviv über Deutschland zu seiner Familie nach Los Angeles trotz positiven COVID-19 Tests. Die offenbar von den israelischen Gesundheitsbehörden angeordnete Quarantäne umging der Wiener dabei (siehe dazu den Standard Artikel vom 19. Oktober 2020).

Doch was für Konsequenzen könnten Markus Rogan drohen?

1. Mögliche Strafen nach FIFA-Reglement

Strafen könnten sich aus dem Internationalen Spielprotokoll zur Wiederaufnahme des Fußballbetriebs vom 29.09.2020 der FIFA iVm dem FIFA-Disziplinarreglement ergeben

Demnach werden Zuwiderhandlungen gegen das Protokoll durch die Disziplinarkommission gemäß FIFA-Disziplinarreglement sanktioniert.

Das Protokoll sieht vor, dass infizierte Personen die lokalen Maßnahmen und Vorgehensweisen befolgen sollten (zB sich selbst isolieren und Kontakt zu einem Arzt vor Ort aufnehmen, wie von den lokalen Gesundheitsvorschriften vorgegeben). Desweiteren sollen Personen, die bekanntermaßen mit COVID-19 infiziert sind sich in Isolation begeben oder dort verbleiben und die durch die lokalen Gesundheitsbehörden herausgegebenen Weisungen befolgen.

Die Disziplinarkommission könnte das Fehlverhalten des erfolgreichsten österreichischen Schwimmers insbesondere mit einer Geldstrafe (mindestens 100 CHF, maximal 1.000.000 CHF) sanktionieren. Sperren für Tätigkeiten im Fußball sind ebenso möglich.​

2. Mögliche strafrechtliche Konsequenzen

Strafrechtlich könnte (es gilt die Unschuldsvermutung)  § 178 StGB (Vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten) einschlägig sein, wenn Markus Rogan tatsächlich mit COVID-19, somit einer anzeigepflichtigen Krankheit, in ein Flugzeug gestiegen ist und daher eine Handlung gesetzt haben könnte, die geeignet wäre, die Gefahr der Verbreitung einer übertragbaren Krankheit unter Menschen herbeizuführen. Die Freiheitsstrafe beträgt nach § 178 StGB bis zu drei Jahre.

Die österreichischen Strafgesetze sind auf im Ausland begangene Taten dann anzuwenden, wenn diese auch nach den Gesetzen des Tatortes mit Strafe bedroht sind und der Täter Österreicher war. Der Tatort kann bei einer Handlung im Flugzeug denkbar viele Länder umfassen: Das Land in dem das Linienflugzeug registriert ist (so gesehen besteht auch eine Strafbarkeit nach österreichischem Recht gemäß § 63 StGB, wenn eine Tat in einem Linienflugzeug der AUA begangen wird), das Land in dem das Flugzeug betreten wird und wo der Ausstieg erfolgt (Transitbereich) sowie der Luftraum der Länder über die geflogen wird. Falls daher eine strafbare Handlung nach israelischem, deutschem oder amerikanischem Recht gesetzt wird, kann sich bei einem österreichischen Staatsbürger auch eine Strafbarkeit nach österreichischem Recht ergeben.

Davon abgesehen können im Falle der Erfüllung des § 178 StGB auch Körperverletzungsdelikte aufgrund der Infektion anderer Passagiere sowie darauf aufbauende Schadenersatzklagen, die nach amerikanischem Recht auch Strafschadenersatz (in beträchtlicher Höhe) umfassen können, denkbar sein.

 

Geschrieben von: Karim Khamis, LL.M

Ansprechpartner:

RA Mag. Philipp Frenzl

Karim Khamis, LL.M.