Wissenswertes

Kollektivvertrag für Fußballprofis

Bei der Gestaltung der Spielerverträge ist auch der Kollektivvertrag der österreichischen Fußball-Bundesliga zu berücksichtigen, der das Arbeitsverhältnis der Spieler/Spielerinnen zu den Klubs regelt und für alle in den Bewerben der Österreichischen Fußball-Bundesliga tätigen Klubs einerseits und für alle bei diesen Klubs beschäftigten Spielern andererseits gilt.

Mit anderen Worten, der Kollektivvertrag gilt für die beiden höchsten Spielklassen, also für Vereine und Spieler der 1. und 2. österreichischen Fußball-Bundesliga (nicht jedoch für Spielklassen darunter, etwa Regionalligen).

Achtung: Der Kollektivvertrag ist nicht anwendbar auf Spielervermittlerverträge (also Verträgen mit Berater, Vermittler, Agenten).

Abgesehen von der Fußball-Bundesliga besteht im österreichischen Berufssport ein kollektivvertragsfreier Raum, da kollektivvertragsfähige Körperschaften auf Seiten der Arbeitgeber fehlen. Einzige Ausnahme ist die Österreichische Fußball-Bundesliga, der die Kollektivvertragsfähigkeit vom Verwaltungsgerichtshof (VwGH) im Jahr 1995 (VwGH 95/02/0145) zuerkannt wurde.

Zeichnung eines Mannes, der eine riesige Glühbirne über seinen Kopf hält

Was ist ein Kollektivvertrag?

Kollektivverträge sind schriftliche Vereinbarungen, die zwischen kollektivvertragsfähigen Körperschaften der ArbeitnehmerInnen und der ArbeitgeberInnen (in der Regel zwischen Gewerkschaften und ArbeitgeberInnenverbänden) abgeschlossen werden und gelten für die Arbeitsverhältnisse innerhalb ihres jeweiligen Geltungsbereiches (Branche, Gebiet, Angestellte bzw. ArbeiterInnen).

Regelungen in Kollektivverträgen dürfen daher durch Betriebsvereinbarungen (das sind auch schriftliche Vereinbarungen, aber zwischen dem Betriebsrat und dem/der BetriebsinhaberIn, die z. B. Arbeitszeit und Entgelte für die ArbeitnehmerInnen regeln) und spezifischen Arbeitsverträgen nicht zulasten der Arbeitnehmer verschlechtert werden.

Funktion des Kollektivvertrages?

Der Kollektivvertrag regelt im Wesentlichen Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen und es werden Mindestarbeitsbedingungen festgelegt, die nicht unterschritten werden dürfen.

Wie verhält sich der Kollektivvertrag zum Spielervertrag?

Im österreichischen Recht sprechen wir vom Stufenbau der Rechtsordnung.

Einfach gesagt:

Zunächst gilt das Gesetz. Bestimmungen in Kollektivverträgen können nur besser als das Gesetz sein, Betriebsvereinbarungen wiederum besser als der Kollektivvertrag und der Arbeitsvertrag besser als die Betriebsvereinbarung.

Sollte beispielsweise ein Arbeitsvertrag eine Verschlechterung gegenüber der geltenden Betriebsvereinbarung bzw. wenn es keine Betriebsvereinbarung gibt, eine Verschlechterung gegenüber dem geltenden Kollektivvertrag beinhalten, ist diese Bestimmung im Arbeitsvertrag ungültig. Es gilt der Kollektivvertrag!

Was regelt der Kollektivvertrag der Österreichischen Fußball-Bundesliga?

Dieser Kollektivvertrag regelt das Arbeitsverhältnis der Fußballspieler zu den Klubs.Der Kollektivvertrag beinhaltet unter anderem Bestimmungen hinsichtlich der Dienstverträge der Spieler, dem Aneinanderreihen von zeitlich befristeten Verträgen (Kettendienstverträge), der Spielerpflichten als Arbeitnehmerpflichten, der Dienstgeberpflichten, der Entgeltfortzahlung sowie der Arbeitszeiten.

Tipp!

Eine Durchsicht des Kollektivvertrages ist für Profis bzw. Spieler innerhalb des Geltungsbereichs des Kollektivvertrages unabdingbar, aber auch der angehende Profi erwirbt durch die Lektüre wertvolles Wissen, welches er dann später bei Vertragsverhandlungen gewinnbringend einsetzen kann („Schutz durch Wissen“).

Oder hättet Ihr sonst gewusst, dass (jeweils im Anwendungsbereich des Kollektivvertrages)

  • Monatsbezug und Sonderzahlungen bei einem Durchrechnungszeitraum von 52 Wochen einen durchschnittlichen Betrag von € 1.500,00 brutto ( ab 01.07.2020: € 1.550,00 brutto) pro Zahlung nicht unterschreiten darf (§ 6 Abs 5);
  • der Klub verpflichtet ist, den Spielern sämtliche zur Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen notwendigen Ausrüstungsgegenstände wie Sportkleidung (Spieldressen und Spielbekleidung, Trainings- und Spielschuhe, Handschuhe, Klubanzüge, Reisekleidung […] im angemessenen Ausmaß kostenlos zu Verfügung zu stellen (§ 9 lit a.));
  • der Klub verpflichtet ist, den Spielern jährlich eine Gesundenuntersuchung sowie im Falle einer Verletzung oder Erkrankung eine angemessene ärztliche Behandlung nach anerkannten sportmedizinischen und sporttherapeutischen Grundsätzen zu Verfügung zu stellen (§ 9 lit c.)); oder
  • dass der Spieler keiner anderweitigen Tätigkeit nachgehen darf, die geeignet ist, ihn an der vollständigen und genauen Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber dem Klub zu hindern (§ 8 lit b.) und c.)); darunter könnte beispielsweise ein Studium, Fachholschule etc. fallen. Dies ist nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Klubs zulässig.